Die Gespiegelte Stadt erforschen

Shadespire war einst eine Stadt der Wunder und der Magie, eine Handelsmetropole, die sich aus dem unerbittlichen Boden des Reiches des Todes erhob. Zahllose Völker wohnten innerhalb seiner Mauern und erschufen zusammen Artefakte von erstaunlicher Schönheit und Macht. Das am höchsten geschätzte Geheimnis der Stadt war der Prozess zur Herstellung von Schattenglas, einer wunderbaren Substanz, welche die spirituelle Essenz der Toten für die Ewigkeit aufbewahren konnte. Auf diese Weise lebten die herrschenden Katophranes von Shadespire nach dem Tod weiter und ihre Weisheit war in den Tiefen verzierter Spiegel, fließender Glasfontänen, kristallener Sehersteine und anderen Wunderdingen gespeichert. Dieser Trotz erzürnte Nagash, den Herrscher des Untodes, der die Bewohner der Stadt dafür bestrafen wollte, dass sie ihm seinen rechtmäßigen Zehnt an Seelen vorenthielten.

Doch es erschien Nagash eine unzureichende Strafe, die Stadt einfach zu zerstören und ihre Einwohner in die Unterwelten zu zerren. Stattdessen wob der Große Nekromant ein Ritual, das sich der mysteriösen Kräfte der Schattenglaskonstruktionen der Stadt bediente, entzog Shadespire das Licht und den Glanz und erschuf ein verzerrtes Abbild seiner vormaligen Pracht. Shadespire war auf halbem Weg gefangen zwischen Ulgu, dem Reich der Schatten, und Hysh, dem Reich des Lichts. Gebunden in dieser finsteren Reflexion, gebrochen zwischen diesen diametral entgegengesetzten Reichen, konnten die Seelen der Gefallenen niemals der Gespiegelten Stadt entkommen und die Reise in die Unterwelten antreten. Niemandem innerhalb ihrer Mauern wurde die Erlösung des Todes gewährt. Nagash würde ihnen diese Gabe auf ewig vorenthalten.

Shadespire, die Gespiegelte Stadt, ist eine Albtraumebene der Illusionen und des Wahnsinns, ein sich ständig veränderndes Labyrinth endloser Treppen, enger Straßen und hoher Torbögen. Die ursprüngliche Stadt ist aller Farben und allen Lebens beraubt und seit Tausenden von Jahren liegt sie als Unheil verheißende Ruine da. Die unglückseligen, mutigen oder tollkühnen Abenteurer, die Fuß ins Innere ihrer Mauern setzen, werden durch den Schleier zwischen den Reichen gezogen und in der Gespiegelten Stadt gefangen. Für diese eigensinnigen Seelen scheint alle Hoffnung verloren. Doch gibt es jene, die ihr Schicksal nicht ohne einen Kampf akzeptieren.

Mehr als eintausend Jahre lang lagen die in Schatten gehüllten Ruinen von Shadespire ruhig da, eine bösartige Narbe im Zentrum der riesigen Wüste der Knochen. Während eines Großteils dieser Zeit gab es wenige frische Opfer für den schrecklichen Fluch der Stadt. Selten wagten sich Reisende in die tödliche, austrocknende Wüste, um die Stadt zu erreichen, und sie wurden so oft durch die tödlichen Stürme fortgetrieben, die über die Knochenstaubdünen zogen, wie durch die finsteren Geschichten über den Ort, die aufgekommen waren. Doch einige waren tapfer oder töricht genug, um sich ins Innere der verfluchten Stadt zu verirren, und die wenigen Glücklichen, die von dort zurückkehrten, brachten unbezahlbare Schätze und verbotenes Wissen mit sich sowie Gerüchte über heimgesuchte Spiegel, albtraumhafte Illusionen und andere seltsame Geschichten.

Einige der jetzt in Shadespire Gefangenen sind edle Seelen, die entschlossen sind, den Fluch zu beenden und sich ihrem Schicksal zu verweigern. Andere sind barbarische Unholde, für die ein endloser Kreislauf der Gewalt eine Belohnung an sich ist. Es gibt habgierige Plünderer, rasende Barbaren und Weise, deren Verlangen nach Wissen sie auf dunkle Pfade geführt hat. Diese unterschiedlichen Seelen treffen aufeinander, da sie alle versuchen, der Verdammnis zu entkommen, und in den heimgesuchten Straßen von Shadespire fließt das Blut.